Holotropic Mind

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Die Bezeichnung  holotroper Bewusstseinszustand wurde von dem klinischen Psychiater Dr. Stanislav Grof eingeführt. Holotrop (holos = ganz, trepein = zubewegen) bedeutet, auf das Ganze ausgerichtet sein, nach Ganzheit streben und bringt zum Ausdruck, dass eine Verschiebung der Wahrnehmung zum Ganzheitlichen stattfindet.

Unsere Alltagswahrnehmung (hylotroper Zustand) stellt nur einen mikroskopischen Ausschnitt des potentiellen Bewusstseinsfeldes dar. Wir Menschen besitzen Zugang zu weiteren "Wahrnehmungsdimensionen", die den alten spirituellen Traditionen zwar bekannt waren, jedoch in der westlichen Welt zumeist als pathologisch gelten.

Die Transpersonale Psychologie hat klinische Untersuchungen zu holotropen Bewusstseinzuständen durchgeführt und anhand tausender Berichte von Probanden, einen Erfahrungskatalog zusammengestellt. (Grof- Die Psychologie der Zukunft. Erfahrungen der modernen Bewusstseinsforschung). Am Übergang vom hylotropen zum holotropen Zustand können von den Probanden häufig Veränderungen der Sinneswahrnehmung und des Köpergefühls beobachtet werden. An der "sensomotorischen Barriere" verschwimmen die Subjekt-Objekt Beziehungen und Innen-Außen Grenzen. Das Raum-Zeit Gefüge der materiellen Welt verliert seine Absolutheit und weicht einer veränderten Wahrnehmung von Realität.  Das Körperempfinden kann sich während holotroper Zustände auf vielfältige Weise verändern. So kann der materielle Körper als Energiegeflecht und Bestandteil eines einheitlichen Feldes empfunden werden oder der vollständigen Verlust eines Körperempfindens einsetzen.
 
Solange holotrope Zustände biografisches Material auf psychodynamischer Ebene bearbeiten, drängen postnatale Erinnerungen in das Bewusstseinsfeld des Individuums. Häufig werden verdrängte Erlebnisse oder Traumata aus dem Unbewussten geholt, erneut durchlebt und aus einem integralen Blickwinkeln neu bewertet. Im Modell von Grof entspricht dies der Bearbeitung der Coex Systeme. Es handelt sich dabei um Themen, die mit hoher emotionaler Ladung abgespeichert sind und im holotropen Zustand an die Oberfläche drängen. In diesem Stadium kann das emotionale Innenleben extrem intensiviert werden. Die gewohnten Muster der rationalen Denkprozesse erfahren eine Erweiterung zugunsten eines umfassenderen Verständnisses der eigenen Lebensgeschichte. 
 
Die klinischen Forschungen zeigen eine Auffälligkeit: Wenn sich der holotrope Selbsterfahrungsprozess um die innerpsychischen Verarbeitungsprozesse intensiviert, nimmt der Informationsfluss sein Zentrum häufig um perinatale Erfahrungen ein. Grof zufolge bildet die Erfahrungsmatrix um das Perinatale eine entscheidende Barriere zwischen dem Personalen und dem Transpersonalen. Erst der holotrope Zustand ermöglicht die Dekodierung des unbewussten Materials  in den Coex Konstellationen, was nach dem Modell der Transpersonalen Psychologie den Übergang zu der spirituellen Bewusstseinsebenen fördert.
 
Sinneseindrücke der Außenwelt, biografische, perinatale und pränatale Erinnerungen, Phantasiematerial und authentische Informationen der kosmischen Involution und Evolution gelangen in den Wahrnehmungshorizont und können sich zu einer Szenerie mit extremer Dichte vermischen. Es tritt ein intuitives und direktes Verständnis für die Bewusstseinsinhalte ein, sodass Zusammenhänge zwischen der eigenen Lebensgeschichte und der Kosmogenese auf ganzheitliche Weise durchblickt werden. Beziehungen zwischen Mikro- und Makrokosmos, karmische Muster und evolutionäre Aspekte der Existenz, die auf intellektueller Ebene verschlossen blieben, können in ein Gesamtgefüge gebracht werden und ein tieferes Verständnis für die Existenz fördern. Die gewonnen Einsichten auf transpersonaler Bewusstseinsebene sind auf der rationalen Ebene zumeist nicht in Worte zu fassen, für den Erfahrenden erscheinen sie im holotropen Zustand jedoch absolut klar.    
 
Das Bewusstsein ist nicht mehr an die Schranken der klassischen Raum-Zeit Koordinaten der newton-kartesianischen Wahrnehmung gebunden, vielmehr geschieht ein Transzendieren von Raum und Zeit. In den transpersonalen Bändern können Erlebnisräume, Realitäten und Dimensionen, sowie Sequenzen aus persönlichen Lebensabschnitten oder historischen Zeitenalten in einem Punkt zusammenfallen. Das Gehirn ordnet die elektromagnetischen Reize der Außenwelt nicht mehr nach den gewohnten Parametern in sequenzieller Reihenfolge.
 
Die konventionellen Wahrnehmungsschranken, die beim gesunden Menschen im hylotropen Zustand als absolut und unverrückbar erscheinen, werden aufgehoben und gewähren Einblicke in die Mysterien von Manifestation und Transformation, die ansonsten auf rationaler Ebene verschlossen bleiben. Im fortgeschrittenen Selbsterkennungsprozess werden Raum, Zeit und Materie als illusorisches Konstrukt des Geistes durchschaut, als eine Art Schleier oder kosmisches Spiel, hinter dem sich der transzendentale Zeuge verbirgt.
 
Während transrationaler Erleuchtungszustände ist das Bewusstseinsfeld nicht mehr an die Fesseln der grobstofflichen Interpretationsschemen gebunden. In fortgeschrittenen Stadien setzt ein Transzendieren der eigenen Persönlichkeit ein. Der Zeuge ist nicht mehr streng an eine individuelle Persönlichkeit geklammert und kann sich davon losgelöst, mit anderen Menschen, Lebewesen, Objekten, Planeten oder Galaxien identifizieren. Diese Erfahrung wird von dem Betroffenen als vollständig real empfunden. Sie kann zur Identifizierung mit dem gesamten materiellen Universum, bis hin zur Begegnung mit dem undifferenzierten Geist führen und in der vollständigen Auslöschung der metakosmischen Leere jenseits von Raum, Zeit und Polarität gipfeln. Die Begegnung mit dem ewigen Mysterium wird häufig als bedeutender Punkt der spirituellen Reise bewertet. Die Erfahrung kann mit  umfassenden Wirkungen auf das weitere irdische Dasein einhergehen.  
 
 
 
 
 
Katalog Transpersonaler Erfahrungen nach Stanislav Grof: 
 
  • Erweiterung des Wahrnehmungsspektrums innerhalb der Raum-Zeit Realität
  • Überschreiten der räumlichen Grenzen
  • Erfahrungen der Zweieinigkeit
  • Identifikation mit anderen Personen
  • Gruppenidentifikation und Gruppenbewusstsein
  • Identifikation mit Tieren
  • Identifikation mit Pflanzen oder botanischen Prozessen
  • Einheit mit der Gesamtheit des Lebens und der Schöpfung
  • Identifikation mit anorganischer Materie und ebensolchen Prozessen
  • Planetares Bewusstsein
  • Erfahrungen mit Wesenheiten und Welten ausserirdischen Ursprungs
  • Identifikation mit dem gesamten physischen Universum
  • Übersinnliche Phänomene mit Transzendent des Raums
  •  
  • Überschreiten der Grenzen der linearen Zeit
  • Embryonale und fötale Erfahrungen
  • Ahnen-Erfahrungen
  • Rassische und kollektive Erfahrungen
  • Erinnerungen an frühere Inkarnationen
  • Phylogenetische Erfahrungen
  • Erfahrungen, die sich auf die planetare Evolution beziehen
  • Kosmogenetische Erfahrungen
  • Übersinnliche Phänomene mit Transzendenz der Zeit
  •  
  • Erlebnisse im Mikrokosmos
  • Organ-, Gewebe- und Zellbewusstsein
  • Erfahrungen der DNS
  • Erfahrungen der Welt der Atome und subatomaren Teilchen
  •  
  • Erweiterung des Erfahrungsspektrums über die Grenzen der Konsens-Realität hinaus
  • Spiritistische und mediumistische Erfahrungen
  • Energetische Phänomene des feinstofflichen Körpers
  • Begegnungen mit Tiergeistern (Krafttiere)
  • Begegnungen mit Geistführern und übermenschlichen Wesen
  • Besuche in Paralleluniversen und Begegnungen mit ihren Bewohnern
  • Sequenzen aus der Mythen- und Märchenwelt
  • Erfahrungen von seligen und zornigen Gottheiten
  • Erfahrungen universaler Archetypen
  • Intuitives Verstehen universaler Symbole
  • Kreative Inspiration und prometheischer Impuls
  • Begegnungen mit dem Weltenschöpfer und Einblicke in die Erschaffung des Kosmos
  • Die Erfahrungen kosmischen Bewusstseins
  • Die supra- und metakosmische Leere
(Quelle: Grof, Psycholgie der Zukunft s 72-73, Tabelle 2.2 )